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Freitag, der 17. 2017

Besiktas bewahrt die Nerven

"Manchmal greifen die Rädchen eben perfekt ineinander", erklärte Şenol Güneş nach dem denkwürdigen Abend in Istanbul. Beşiktaş setzte mit dem klaren Sieg in Unterzahl ein Ausrufezeichen.

Von Erdem UFAK

Beşiktaş hat zu viele Europapokal-Abende erlebt, an denen man scheinbar komfortable Vorsprünge noch aus der Hand gegeben hat. Dieses Mal stemmte man sich mit aller Macht dagegen - mit Erfolg. Als Torschütze Vincent Aboubakar in der 39. Minute beim Stand von 2:1 vom Platz flog, fanden sich im Stadion reihenweise besorgte Gesichter. Würde Olympiacos - bis dahin klar unterlegen - jetzt den Spieß umdrehen, so wie es in jüngerer Vergangenheit schon Club Brugge (UEFA Europa League 2014/15) und Sporting CP (UEFA Europa League 2015/16) gemacht hatten?

Die Sorgenfalten waren umsonst. Beşiktaş kämpfte in Unterzahl um jeden Zentimeter und investierte auch in das Offensivspiel, so dass in der zweiten Halbzeit zwei Tore nachgelegt werden konnten. Der Elf von Şenol Güneş gebührt ein großes Lob, denn die Leistung sagt viel über die Mentalität der Mannschaft aus.

"Man wird wütend, ist verärgert und denkt über viele Szenarien nach", so der Trainer über seinen Gemütszustand nach dem Platzverweis. "Aber dann fängt man auch an, darüber nachzudenken, was man jetzt zu tun hat. Ich habe später eine SMS von einem Freund erhalten. Er meinte, wir sollten das nächste Spiel mit zehn Mann beginnen, damit wir gleich zusätzliche Motivation haben. Aber so ist das im Fußball. Manchmal greifen die Rädchen eben perfekt ineinander - manchmal tun sie es nicht."

Güneş entschied sich in der Pause gegen personelle Wechsel, ließ seine Mittelfeldspieler aber tiefer agieren, um Olympiacos im letzten Drittel keinen Raum anzubieten. Mitte der zweiten Halbzeit stellte er mit Necip Uysal einen guten Zweikämpfer ins Zentrum, der zusammen mit Atiba Hutchinson dafür sorgte, dass die Griechen kein Tempo ins Spiel bekamen. Adriano und der bärenstarke Gökhan Gönül verhinderten, dass Beşiktaş auf den Flügeln überrannt wurde.

Derweil nahm Babel eine Art Doppelrolle ein, denn er agierte entweder als einzige Spitze oder er beackerte den rechten Flügel. Noch dazu war er brutal effektiv: Sein zweiter von zwei Schüssen fand das Tor und als der Ball noch im Netz zappelte, waren drei Olympiacos-Spieler schon aus Enttäuschung zu Boden gesunken. Die Griechen wussten - jetzt war ihr Schicksal besiegelt. Cenk legte noch ein viertes Tor nach, da war die Schlacht aber schon längst geschlagen.

Die Zuschauer wussten, wem das Lob gebührt. Mit lauten Sprechchören wurde Trainer Güneş gefeiert, doch der war noch in der 93. Minute damit beschäftigt, sich Cenk für sein falsches Positionsspiel zur Brust zu nehmen. Der Mann hat einfach ein Auge fürs Detail. Und er lebt die Leidenschaft vor, die Beşiktaş in diesem Wettbewerb noch weit bringen könnte.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst auf www.uefa.com / Autor: Cetin Cem Yilmaz


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