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Dienstag, der 05. Dezember 2017

Ist Beşiktaş immer noch das beste Team der Türkei?

Ist der türkische Meister der letzten beiden Jahre, Beşiktaş, noch immer die beste Mannschaft der Türkei? Wenn ja, warum führt man die Ligatabelle dann nicht an? Ein Kommentar von Anil P. Polat zur aktuellen Situation beim Titelverteidiger.

Von Anil P. Polat

Erst am Wochenende stürzte Beşiktaş Ligaprimus Galatasaray (indirekt) durch einen mitunter erdrückenden 3:0-Derbysieg von der Tabellenspitzte und sendete durch die „kleine Machtdemonstration" eine klare Botschaft an die Konkurrenz. Dennoch liegt man weiterhin drei Punkte hinter dem Istanbuler Rivalen und sogar vier Zähler hinter dem neuen Spitzenreiter Medipol Başakşehir. Auch Fenerbahçe liegt aufgrund der besseren Tordifferenz vor den Schwarz-Weißen. Punktuell dahinter sitzen genügend Teams bereit, Beşiktaş beim nächsten Patzer in der Tabelle zu überholen. Kann Beşiktaş in solch einer Konstellation tatsächlich noch von sich behaupten, die beste Mannschaft der Süper Lig zu sein? 

Beşiktaş: Mal schwarz, mal weiß 

14 Partien in der Saison sind bereits gespielt und die „Adler" haben schon zwei Niederlagen und fünf Unentschieden hinnehmen müssen. Mit anderen Worten, Beşiktaş verliert im Schnitt in jedem zweiten Spiel Punkte. Klingt alles andere als dominant. Dagegen ein komplett anderes Bild in der UEFA Champions League. Gegen deutlich stärkere Klubs präsentiert sich Beşiktaş ganz anders. Das Team von Trainer Şenol Güneş besticht durch attraktiven und effektiven Fußball und sicherte sich sogar vorzeitig als Gruppensieger den Einzug ins Achtelfinale der Königklasse. Am Mittwoch in Leipzig hat man daher den Luxus im letzten Gruppenspiel etablierte Stammkräfte zu schonen und zu rotieren. Es handelt sich quasi um ein Schaulaufen. Ein Umstand, den man von türkischen Teams nun wirklich weder kennt noch gewohnt ist. 

Starke Auftritte in Europa und Topspielen 

In den Topspielen, mit Ausnahme der aufgrund der Schiedsrichterleistung umstrittenen 1:2-Niederlage in Kadıköy gegen Fenerbahçe, spielte Beşiktaş immer zumindest auf Augenhöhe, verlor sonst keine Partie. Eher war man meist der Sieger oder spielerisch stärker. Bei den eher als „leicht" eingestuften Anadolu-Spielen agiert Beşiktaş dagegen seit Saisonbeginn (eigentlich sogar seit der Testspielphase vor Saisonstart) oftmals erschreckend wirkungslos. Woran liegt das? Kann eine Mannschaft tatsächlich von sich sagen, man sei die Nummer eins im Land, wenn man in den Pflichtaufgaben so schwach auftritt? Hier endlich die Antwort: Sie lautet "JEIN". Eine verhasste Antwort, doch selten passte sie gut, wie wir im weiteren Verlauf der Analyse sehen werden.

Jahrhundert-Kader, aber keine Dominanz 

Nominell besitzt Beşiktaş den vielleicht stärksten Kader der Vereinsgeschichte und auch der Süper Lig-Historie. Im Mannschaftsgefüge sind zahlreiche nationale Titelgewinner, Champions League-Sieger und Europameister. Das Team ist gespickt mit viel internationaler Klasse und Erfahrung. So gut wie jeder Spieler im Team ist oder war lange Zeit Nationalspieler. Dennoch überrollt man die Liga nicht, wie man es auf dem Papiert erwarten würde. Ganz im Gegenteil. Vor zwei Jahren brillierte Beşiktaş mit einem schnellen, attraktiven und extrem torgefährlichen Spiel und wurde Meister. Oft zeigte man gar mit Bravour den bekannten „Tiki-Taka"-Stil. Alle waren sich einig, Beşiktaş wurde verdient Meister. 

Im letzten Jahr war man ebenfalls effektiv und stark vor dem Tor. Zwar zeigte man nicht mehr so oft den schönen Fußball aus der Vorsaison, dennoch zauberte man trotzdem oft genug, um den Titel zu verteidigen. Aber in diesem Jahr ist in der Liga nicht viel davon zu sehen. Es ist eher so, als würde Beşiktaş trotz stetig besser werdendem Kader jedes Jahr langsamer und ineffektiver spielen. 

Warum spielt Beşiktaş mit besserem Kader schlechter? 

Und die Frage lautet hier abermals, woran liegt das? Die Antwort ist nicht ganz so einfach, wie oft dargestellt. Und es ist auch nicht ein einziger Grund allein dafür verantwortlich. Und schon gar nicht ist es so simpel zu erklären, wie der so häufig vorgebrachte Kritikersatz: „Beşiktaş ist in der Liga unmotiviert und hat nur die Champions League im Kopf." Nein, nein. Dieser Zustand hat diverse Ursachen. Schauen wir uns daher die wichtigsten aus der Nähe an und beschränken uns auf diese: 

1. Beşiktaş spielt viel kontrollierter als die Jahre zuvor, dafür aber auch viel, viel langsamer. Ergo kann der Gegner immer in Ruhe alle Spieler hinter den Ball bringen, gestaffelt verteidigen und die Räume eng machen. Jeder weiß mittlerweile wie gut Beşiktaş gegen Mannschaften spielt, die offenen, also (auch) offensiveren Fußball spielen. Genau so gut weiß allerdings inzwischen jeder, wie schwer sich Beşiktaş gegen Teams tut, die „mauern".

2. Das offensive BJK-Zentrum ist mit Anderson Talisca zu schwach in solchen Spielen gegen Abwehrbollwerke. Der Brasilianer spielt das Spiel nicht wie ein Jose Sosa in beide Richtungen (also offensiv, wie defensiv). Der 23-Jährige hält und verteilt nicht den Ball , spielt keine Steilpässe und kreiert keine Chancen für den Stürmer. Das macht die Defensivarbeit des Gegners noch einfacher. Denn so kann sich die gegnerische Abwehr noch mehr auf die eigentlichen Gefahrenquellen, nämlich die Außenspieler Ryan Babel und Ricardo Quaresma konzentrieren, die oft gedoppelt werden. 

Da durch Taliscas Defizite zwischen Mittelfeld und Sturm eine große Lücke entsteht, sind meist auch Cenk Tosun und Alvaro Negredo abgemeldet. Zumal das Defensivzentrum des Gegners problemlos das Überzahlspiel als Vorteil nutzen kann. Die Lücke zwischen Mittelfeld und Angriff geht aber nicht nur auf Talisca zurück, sondern auch auf Oğuzhan Özyakup, Tolgay Arslan und Atiba Hutchinson. Das Trio holt sich die Bälle extrem weit hinten. Das bedeutet aber auch, das ein weiter Weg bis zum gegnerischen Tor auf sie wartet und durch das langsame Aufbauspiel ist Beşiktaş nicht in der Lage im und um den gegnerischen Strafraum mehr Präsenz aufzubieten, um die Verteidigung mal aus der Balance zu bringen.

3. Vor zwei Jahren noch haben Olcay Şahan und Gökhan Töre permanent gekreuzt und sind in den Strafraum eingedrungen. Haben den Abschluss gesucht, gepasst, geflankt oder durch ihre unerwartete Präsenz im Sechzehner die Defensive aus eben der besagter Balance gebracht, was zusätzliche Räume geschaffen hat. Dadurch entstanden deutlich mehr Torchancen und schließlich Tore. Man siehe nur die sehr hohen Tor/Assistwerte des oft zu Unrecht kritisierten Şahan, die seltsamerweise über die Jahre kaum jemanden aufgefallen zu sein scheinen. 

Der bekanntlich Abschlussschwache Quaresma kann nur in Sachen Torvorlagen mithalten, aber was Tore betrifft, liegen fast schon „Welten" dazwischen.
Der Portugiese ist einfach nicht torgefährlich und klebt zu sehr an der Linie. Ryan Babel ist auch zu weit Außen und von Cenk Tosun entfernt. Der Niederländer schießt zwar seine Tore, aber flankt so gut wie nie. Das Kreuzen mit Quaresma ist ebenfalls ungefährlich, da beide, wie geschildert, zu weit vom Tor entfernt agieren.



4. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Folgende: Jeder weißt einfach, wie Şenol Günes spielen wird. Jeder Gegner in der Liga weiß, er wechselt nie vor der 60. - 70. Minute (es sei denn, es liegt eine Verletzung vor). Und man weiß zu 90 Prozent, wer für wen ins Spiel kommt. Die Rotation des Meistertrainers umfasst nur gut 15 bis maximal 16 Spieler. Sprich, der Gegner ist auf die Startelf und die Wechsel komplett eingestellt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Vorbereitung, denn dass macht den 15-maligen Meister absolut berechenbar. Und einen berechenbaren Gegner kann man einfacher stoppen.

5. Es mangelt an einem Plan B, geschweige denn Plan C. Die Aufgabe des Trainers muss es sein, Lösungen für ein Problem zu finden, das seit 14 Wochen vorherrscht. Die Abwehrreihen des Gegners zu knacken, wenn der sich nur auf die Defensive und Konter/ruhende Bälle verlässt. Günes hat scheinbar kein weiteres, einstudiertes System, um den Gegner zu überraschen. 

Zum Beispiel ein 4-4-2 oder mal ein 3-5-2. Gerade, wenn man bedenkt, dass Beşiktaş in fast jeden Spiel 60 Prozent und mehr Ballbesitz hat, kann man doch einen defensiven Mann rausnehmen und einen zweiten Stürmer oder offensiven Akteur wie Talisca bringen, um im Sechzehner mehr Präsenz und Gefahr bei Hereingaben zu erzeugen. Es gibt genügend Probleme. Nun sind Lösungen gefragt. 

Team ist die Nummer eins, Spielweise nicht 

Fazit: Ja Beşiktaş ist, was die Kaderstärke/-tiefe und Qualität im Team betrifft, immer noch die stärkste Mannschaft der Türkei. Aber die aktuell praktizierte, monotone Spielweise macht Beşiktaş nicht zur stärksten Mannschaft in der Süper Lig oder Favoriten im Titelrennen. Fakt ist, Beşiktaş braucht eine Lösung beziehungsweise ein weiteres System, um auch die „Mauerteams" zu bezwingen. Ein Spieler, wie Jose Sosa, würde dem Titelverteidiger sicherlich auch gut tun. Nun gilt es die verbliebenen drei Partien vor der Winterpause schadlos zu überstehen. Eventuell kann der eine oder andere Transfer sowie gezielte Vorbereitungen und Trainingseinheiten zur Rückrunde, das BJK-Schiff wieder auf Kurs und somit die Kaderstärke und Spielweise wieder in einklang bringen.

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