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Mittwoch, der 10. Mai 2017

Die Krokodile beißen nicht mehr!

Bursaspor steht am Abgrund. Vier Spieltage vor Saisonende findet sich das Team nach drei desolaten Auftritten im Abstiegskampf wieder. Der Präsident ist angezählt, der Trainer wirkt ratlos. GazeteFutbol blickt auf die Lage der Krokodile.

Von Tarik DEDE

Es war Mitte April, als schöne Bilder aus Bursa landauf landab für Zustimmung sorgten. Die Knirpse der U12 hatten gerade den internationalen Izmir Cup gewonnen. Ein Turnier, bei dem der Nachwuchs hochkarätiger Mannschaften aus ganz Europa zeigt, was er kann. Und so holten sich die jungen Krokodile bei ihrer Rückkehr aufs Trainingsgelände den verdienten Applaus ab. Die A-Mannschaft hatte ein Spalier gebildet und klatschte den Teenagern für ihren Erfolg Beifall. Doch diese Bilder sind wie aus einer fernen Vergangenheit. Stand heute kämpft diese A-Mannschaft gegen den Abstieg. Nur noch acht Zähler trennen den Verein von Platz 16. Bei vier ausstehenden Partien kann da noch einiges schiefgehen. Zumal man zehn Tore schlechter dasteht als die Konkurrenten Rizespor und Kayserispor.

Historische Pleitenserie

Und das hat seinen guten Grund. In den letzten drei Ligaspielen kassierte Bursaspor 1:16 Tore. Noch nie in der Geschichte der Süper Lig hatte eine Mannschaft in drei Partien hintereinander jeweils mehr als fünf Gegentreffer hinnehmen müssen. Die Mannschaft von Adnan Örnek, der erst vergangene Woche auf Mutlu Topcu als Cheftrainer folgte, zeigte eine katastrophale Leistung. Der Auftritt gegen Rizespor glich phasenweise einer Arbeitsverweigerung. An der Abwehr allein kann man den sportlichen Absturz nicht festmachen. Während die meisten Spieler schon lange den Platz in Rize verlassen hatte, weinte Harun Tekin vor laufenden Kameras. Der Torhüter ist der einzige Lichtblick in dieser Truppe, obwohl auch er in Rize nicht gut spielte. Er hat von allen Süper Lig-Keeper die meisten Paraden in dieser Saison gezeigt und kommt, unabhängig vom Medium, regelmäßig in die Elf des Spieltags. Doch ein Torwart allein kann das Desaster nicht verhindern, und auch nicht erklären. Und selbst Örnek, der eigentlich die Jugendakademie leitet und nun als Notnagel eingesprungen ist, wirkte mehr als ratlos.

Kein Aufbäumen im Team

Da sind auch all die gestandenen Profis wie Bogdan Stancu, Tomas Sivok, Cristobal Jorquera oder Bilal Kısa, die genug Erfahrung haben, um solch eine Katastrophe zu verhindern. Doch offenbar rührt sich da wenig. Sinnbildlich ist vielleicht das, was Pablo Martin Batalla in den vergangenen Wochen gezeigt hat. Mit großer Euphorie war der Argentinier zurück zu den Grün-Weißen gelotst worden. Doch seine Leistungen haben schon lange nichts mehr mit dem zu tun, was er in der Meistersaison spielte. Da fing eigentlich schon der Abstieg des Titelträgers an. Nach der Teilnahme an der Champions League waren plötzlich Millionen verschwunden. Und gleiches ereignete sich wohl auch, nachdem man vor zwei Jahren viel Geld für Spieler wie Ozan Tufan, Cedric Bakambu und Fernandao eingenommen hatte. Präsident Ali Ay bleibt Antworten schuldig, besser gesagt: während die Fans viele Fragen haben, lehnt er die Einberufung einer Mitgliederversammlung samt Neuwahlen bisher ab. Ohnehin gibt sich der Ingenieur, der einst sein Studium in Krefeld absolvierte, sehr wortkarg und gibt vor allem Durchhalteparolen von sich. Die Fans jedenfalls haben genug von ihm und seinem Vorstand.

Einen Lichtblick gibt es

Den Anhängern wird derzeit ohnehin viel zugemutet. Stets füllen sie den Gästeblock komplett, egal wohin die Reise geht. In Akhisar haben sie diesen dann irgendwann einfach verlassen, zu armselig war das Spiel ihrer Elf. Und dass das 0:6-Debakel bei Rizespor ausgerechnet auf den vierten Todestag von İbrahim Yazıcı fiel, dem Präsidenten und Architekten der Meistermannschaft, das war besonders schmerzhaft. Nun bleiben noch vier Partien, um diese katastrophale Saison einigermaßen über die Bühne zu bringen. Fünf Punkte braucht man, um sicher nicht abzusteigen. Doch ausgerechnet jetzt geht es gegen Meister und Tabellenführer Beşiktaş. Sollte Bursaspor tatsächlich den Weg in die zweite Liga gehen müssen, dann geht ein Pfeiler des türkischen Fußballs vorerst verloren. Von den großen Vereinen produziert man wohl am beständigsten hochtalentierte Spieler. Die Jugend ist derzeit das einzige, an dem man sich aufrichten könnte. Denn die U19 feierte am Dienstag im Finale der türkischen Meisterschaft einen 3:1-Sieg gegen Altınordu. Damit darf die Truppe in der kommenden Saison an der UEFA Youth League teilnehmen. Vielleicht sollte man aber einfach diese Jungs in den A-Kader befördern und dort dann richtig aufräumen lassen. Viel schlechter als die aktuelle A-Mannschaft können sie kaum abschneiden.

 


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