Username:
Passwort:
angemeldet bleiben

>> Passwort vergessen?
>> Registrierung
>> Registrierung
Aktuelle Newsdiskussionen
show news
EL: Galatasaray unter Zugzwang
von Kanarya vor 4 Minuten
Van Persie lobt Aykut Kocaman
von Kanarya vor 8 Minuten
EL: Riesenblamage für Galatasaray!
von Kanarya vor 9 Minuten
Fenerbahce bleibt sieglos
von Littleboy am 20.07.2017 21:22
EL: Tudor glaubt ans Weiterkommen!
von BullevomBosporus am 20.07.2017 18:50
gazetefutbol
mediasportsnetwork
|
|
|
Tabelle & SpieltagTorjäger
Montag, der 10. Juli 2017

Chinas Investoren wollen auch in die Süper Lig

Schon mehr als ein Dutzend europäischer Klubs befindet sich in der Hand chinesischer Unternehmer. Nun rückt auch die Süper Lig auf den Radar der Investoren aus dem Reich der Mitte. Es locken Steuervorteile und ein riesiger Markt an jungen Konsumenten.

Von Tarik DEDE

Rund 30 Jahre alt ist der durchschnittliche Türke. Damit ist das Land das jüngste in Europa und eines der jüngsten weltweit. Jung bedeutet in den Augen von Unternehmen vor allem: Das sind Konsumenten, die noch keine festgeformten Meinungen haben und daher offen gegenüber neuen Produkten sind, auch aus China. Diese Märkte will die Regierung in Beijing gerne erobern. Und genau deshalb sind viele Unternehmer in den vergangenen Jahren den Weg ins Ausland gegangen. Ein Vehikel waren Fußballvereine. Zuletzt sorgte der Kauf von 68,55 Prozent an Inter Mailand für Schlagzeilen. Die "Sunning Commerce Group" legte dafür rund 287 Millionen US-Dollar auf den Tisch. Doch auch weitere Klubs wie Atletico Madrid, OCG Nice, Espanyol Barcelona AC Milan oder Slavia Prag haben nun chinesische Besitzer oder Teilhaber.

Erste Anfrage an Galatasaray

Als nächstes dürfte die Süper Lig in den Vordergrund rücken. Das jedenfalls behauptet Alexander Jarvis. Der CEO der Beratungsgesellschaft Blackbridge Cross (Twitter: @Ajarvis8) hat etliche Deals zwischen chinesischen Unternehmern und europäischen Fußballvereinen bereits eingefädelt. Nun glaubt er, dass auch die Süper Lig an der Reihe ist. Doch es gibt noch Hürden: „In der Türkei müssten die Statuten noch angepasst werden. Das muss sich ändern. Für das weitere Wachstum des türkischen Fußballs ist der Einstieg chinesischer Investoren eine Chance. Wir wollen wie woanders der erste sein, der in dieses wunderbare Land mit chinesischen Fußballinvestoren kommt“, so Jarvis gegenüber der Zeitung "Dünya". Gemeint ist, dass bisher die Vereine die Mehrheit an den meist als Aktiengesellschaft geführten Klubs halten müssen. So können beispielsweise Beşiktaş, Galatasaray, Fenerbahçe und Trabzonspor bis zu 49,99 Prozent ihrer Aktien an der Börse verkaufen. Der Rest muss bei dem von Mitgliedern dominierten Vereinen liegen. Das kommt dem deutschen System mit der sogenannten 50+1-Regel sehr nahe. Eine erste Anfrage gab es auch schon: Im Sommer 2016 suchte eine chinesische Gruppe den Kontakt zur Galatasaray-Führung. Doch Dursun Özbek lehnte ab. "Es gab inoffizielle Kontakte, aber kein schriftliches Angebot", so der Präsident damals. Er habe auch kein Interesse daran, den Verein zu veräußern. In der Zwischenzeit haben sich die "Löwen" mit dem Verkauf von Grundstücken frisches Kapital besorgt (GazeteFutbol berichtete).

Gesetze müssen angepasst werden

Insofern muss der Gesetzgeber noch diese Hürden ändern. Allerdings gibt es auch Stimmen im Verband der Profi-Klubs, die eine Öffnung befürworten. Das kann sehr schnell gehen. Denn alle vier genannten Großklubs und viele weitere Vereine haben immense Schulden. Da käme ein Investor aus dem Reich der Mitte gerade richtig. In die gleiche Kerbe schlug auch Meistertrainer Şenol Güneş, als er sagte, dass sich die Klubs für externe Investoren öffnen müssten: „Nur so können wir die Fußball-Infrastruktur verbessern. Es gibt einfach zu viele Schulden“, zitierte die Zeitung "Sabah" den Trainer Ende Juni. Die Chinesen reizt aber nicht nur der türkische Konsument. Beim Fußball geht es schließlich immer auch um das Ego und Geld. Und so sagt es Jarvis, so sagen es aber auch viele andere offen heraus: „Die steuerlichen Bedingungen in der Türkei sind optimal.“ Nur 15 Prozent an Einkommensteuer muss ein Profispieler aus den ersten vier Ligen in der Türkei bezahlen. Das ist der größte Wettbewerbsvorteil der türkischen Vereine in Europa, wo in den meisten Ländern ein Einkommensteuer-Spitzensatz von über 40 Prozent gilt. Mit frischen Millionen aus Shanghai, Beijing oder Nanjing könnte der Fußball in der Türkei finanziell einen kräftigen Schub erhalten und viele noch teurere Spieler ins Land holen. Und es muss ja nicht bei den Chinesen bleiben. Daneben haben auch immer wieder arabische Investoren ein großes Interesse an türkischen Vereinen gezeigt. "Digitürk", die über "BeINSports" die Übertragungsrechte an der Süper Lig hält, ist inzwischen eine Sendergruppe aus dem Katar. Dorthin soll unter anderem Fenerbahçes-Präsident Aziz Yıldırım gute Kontakte haben.


Warum kommen die Chinesen in den Fußball?

Für so manchen chinesischen Unternehmer sieht es so aus, als könnte man auf diesem Wege etwas von dem Glamour und dem Image von Top-Vereinen auf sich selbst oder auf sein Unternehmen übertragen, wenn man einen Klub kauft. Dahinter stecken klare wirtschaftliche Interessen. So ist es beispielsweise für Chinesen nicht leicht, viel Geld ins Ausland zu bringen. Es gibt Kapitalverkehrskontrollen. Der Kauf von Unternehmen oder Fußballvereinen ist daher ein guter Weg, um viele Millionen außer Landes zu schaffen. Man weiß ja nie, ob man als Unternehmer nicht in den Augen der Regierung in Beijing zu mächtig wird. Daneben öffnet ein Klub die Türen in die VIP-Bereiche in den Stadien. Da trifft man heutzutage die wichtigsten Unternehmer und Politiker eines Landes. So kann man schnell Kontakte knüpfen, um Geschäfte zu machen. Nicht zuletzt wird der eigene Firmenname in dem jeweiligen Land bekannter. Wer kannte schon "Huawei" vor einigen Jahren? Inzwischen verkauft das Unternehmen jedes Jahr viele Millionen Telefone in Europa. Ein Weg dazu war beispielsweise das Engagement bei der EURO 2012 als einer der Hauptsponsoren. Und genau das sind die Gründe, warum Chinesen Interesse an türkischen Vereinen hätten. Umgekehrt haben bereits einige Spieler aus der Süper Lig den Weg ins Reich der Mitte eingeschlagen. Burak Yılmaz, Demba Ba und Ersan Gülüm sind sicherlich die prominentesten Beispiele. Die Chinesen bauen ihre eigene Liga mit Starspielern aus Europa und Südamerika kräftig auf. Im Wintertransferfenster waren sie sogar ausgabefreudiger als die englische Premier League, wie die Zahlen des Wirtschaftsmagazins "Forbes" zeigen. Und selbst die zweite Liga gab mehr für Transfers aus als beispielsweise die Bundesliga oder die Primera Division.


Europäische Klubs mit chinesischen Investoren

Aston Villa: Tony Xia übernahm 100 Prozent für 95 Millionen Dollar.

Wolverhampton Wanderers: "Fosun International" erwarb 100 Prozent für 53 Millionen Dollar.

West Bromwich Albion: Die Unternehmensgruppe "Yunyi Guokai" erwarb 88 Prozent der Anteile für 191 Millionen Dollar.

Birmingham City: Der Hongkonger Unternehmer Darson Yeung bezahlte 71 Millionen Dollar für den Klub aus der zweitgrößten englischen Stadt.

Manchester City: Die chinesischen Firmen "CMC" und "CITIC" haben 13 Prozent der Anteile für insgesamt 265 Millionen Dollar gekauft.

FC Everton: Die Liverpooler besorgten sich einen 60 Millionen Dollar-Kredit bei der größten chinesischen Bank, der "ICBC".

OCG Nice: Die Unternehmer Chien Lee und Alex Zheng sind zusammen mit einem US-Partner eingestiegen und haben für 80 Prozent der Anteile 21 Millionen Dollar bezahlt. 20 Prozent hält weiterhin Präsident Jean-Pierre Rivere.

AJ Auxerre: Der chinesische Konzern "ORG" stieg beim zweitklassigen Traditionsklub günstig ein. 60 Prozent wurden für läppische 8 Millionen Dollar erworben. Den Rest hält AJA.

Sochaux: Die Unternehmensgruppe "Ledus" hat den Ausbildungsverein aus der Ligue 2 für 7 Millionen Dollar übernehmen können.

Granada: "Desports" bezahlte 40 Millionen Dollar für alle Anteile.

Espanyol: Die "Rastar"-Gruppe erwarb 56 Prozent der Anteile für 72 Millionen Dollar. Dahinter steckt der in China bekannte Geschäftsmann Yansheng.

Atletico Madrid: Der chinesische Immobilienkonzern "Dalian Wanda" mit dem bekannten Unternehmer Wang Jianling an der Spitze kaufte 20 Prozent an den Rojiblancos für 48 Millionen Dollar.

AC Milan: Der Politiker und Medienunternehmer Silvio Berlusconi verkaufte den italienischen Klub für 552 Millionen Dollar an die "Sino-Europe Sports"-Gruppe. Es heißt, Berlusconis Kinder hätten keine große Lust auf die Führungsrolle beim AC Milan gehabt.

Inter: Die "Sunning Commerce"-Gruppe kaufte 68,55 Prozent der Anteile für 287 Millionen Dollar.

Slavia Prag: 99,96 Prozent des Traditionsvereins gingen an die Gruppe "CEFC", Kaufpreis unbekannt.

ADO Den Haag: Hier stieg die chinesische Firma "United Vansen" ein. Für 98 Prozent der Anteile zahlte man 8 Millionen Dollar. Allerdings gab es immer wieder Probleme. Der neue Investor zahlte spät oder nie und hielt seine Versprechen nicht ein. Der niederländische Traditionsklub stand finanziell mit dem Rücken zur Wand und hatte deshalb die Tür für einen Investor geöffnet.

 

Für GazeteFutbol-Updates via TWITTER folge Autor Tarik Dede oder GazeteFutbol


GazeteFutbol.de

Impressum | Kontakt | Datenschutzerklärung | Nutzungsbedingungen | Newsarchiv | Werben auf Gazetefutbol