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Dienstag, der 14. August 2018

Die Lira bringt die Süper Lig-Riesen ins Wanken

Die Türkische Lira ist in den Sinkflug übergegangen und verliert täglich an Wert. Gleichzeitig schieben die türkischen Top-Vereine riesige Schuldenberge in US-Dollar vor sich her. Jetzt könnte es für Beşiktaş, Fenerbahçe, Galatasaray und Trabzonspor ganz eng werden.

Von Tarik DEDE

Zur falschen Zeit am falschen Ort – so könnte man die Lage bei den türkischen Top-Vereinen derzeit beschreiben. Der Absturz der Türkischen Lira stellt die Vereine vor extreme Finanzprobleme. Seit Jahresanfang hat die Währung rund 40 Prozent an Wert gegenüber dem Dollar und dem Euro verloren. Am Freitag gab es dann eine Art Schlussverkauf, als die Lira mit dem höchsten Tagesverlust seit der Bankenkrise 2001 aus dem Handel ging. Wirklich gut fing auch die neue Woche nicht an. Schon am Sonntagabend im Asienhandel nahm der US-Dollar erstmals mit Schwung die 7 Lira-Marke, wo sich das Währungspaar auch derzeit einpendelt. Glaubt man den Devisenanalysten, droht der Türkei schon bald eine Welle an Pleiten bei Banken und Unternehmen. Zwei Beispiele vom Montag machen deutlich, wie schlimm die Lage inzwischen ist. Als erste Bank hat heute die Garanti Bank den Umtausch von Lira in Euro, Dollar oder Pfund eingestellt. Mehrere Institute sind diesem Beispiel gefolgt. Und: Viele Juweliere räumen ihre Schaufenster leer. Gold wird bei vielen Geschäften weder verkauft noch angekauft. An der Börse in Istanbul erreichte der Goldpreis mit 8.600 Lira je Feinunze (31,1 Gramm) einen Rekordhöchststand.

Die Währungsprobleme schaffen neue Löcher

Der harte Wind an den Devisen- und Politikmärkten trifft die türkische Süper Lig zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Gerade erst hatten Beşiktaş, Fenerbahçe, Galatasaray und Trabzonspor so etwas wie einen Konsolidierungskurs eingeleitet. Nun erhöht die schwache Lira quasi über Nacht die Schuldenlast der Klubs. Denn die Kredite wurden zumeist in Dollar oder Euro aufgenomen. Auch Gehälter werden zum größten Teil in ausländischer Währung bezahlt. Gleichzeitig schrumpfen die Einnahmen aus den Shops und dem Ticketverkauf, denn dafür gibt es nur Lira. Ein einfaches Beispiel macht den Unterschied deutlich: Erst vor zwei Wochen hat sich ein Freund im Urlaub drei Kindertrikots samt Hosen sowie ein Jersey für sich selbst im Kartal Yuvası in der Innenstadt von Antalya gekauft. Dazu gab es dann noch zwei schwarz-weiße Kinderrucksäcke. Der Preis: 884 Lira. Das waren vor 14 Tagen umgerechnet 156,45 Euro. Zum heutigen Kurs sind es nur noch 118,16 Euro, die als Umsatz in die Kassen von Beşiktaş fließen. Bei zehntausend solcher Einkäufe beträgt der Einnahmeverlust nur aus den Vereinsshops mehr als 382.000 Euro. Das Beispiel kann man getrost auf alle anderen Vereine übertragen. Noch schlimmer sieht es auf der Ausgabenseite aus. Zwei Millionen Euro Gehalt entsprechen heute 14,6 Mio. Lira. Zu Jahresanfang waren das noch 8,76 Lira. Das ist ein Riesenproblem für alle Klubs. Doch gegen die Schuldenprobleme der Klubs sind die obigen Beispiele Peanuts. Alle vier Top-Vereine haben über ihre Verhältnisse gelebt, wir hatten das zuletzt am Jahresanfang an dieser Stelle ausführlich analysiert.

Beşiktaş: Orman vor der nächsten Herausforderung

Am besten sieht es derzeit bei Beşiktaş aus. Die Adler schafften es dank der Einnahmen aus der Champions League und hohen Transferüberschüssen ihre Bilanz – 2012 war man de facto pleite – einigermaßen in den Griff zu bekommen. Doch dieses Jahr wird es nicht wie in der vergangenen Saison rund 47 Mio. Euro an Einnahmen aus der Königsklasse geben. Schon im Januar hatten wir darauf hingewiesen, dass Fikret Orman bei einem Verpassen der Champions League sofort in den Sparkurs wechseln müsste. Das hat der umtriebige Präsident bereits getan. Spieler wie Atiba Hutchinson bekamen neue Verträge zu deutlich niedrigeren Konditionen. Weitere Spielerverkäufe wie der von Vizeweltmeister Domagoj Vida sind noch in diesem Transferfenster möglich. Wenn nun die Mannschaft auch noch die Gruppenphase der Europa League erreicht, winken zumindest hier einige Euros aus dem UEFA-Topf. Insgesamt aber muss man Orman gratulieren: Im Geschäftsjahr 2017/18 (1. Juni bis 31. Mai) schaffte der Klub einen Gewinn von 178,72 Mio. Lira – vor Steuern und Zinsen. Die Zinsen sind aber das größte Problem. Allein in diesen 12 Monaten mussten 206 Mio. Lira bezahlt werden. Auch deshalb stand unterm Strich für Beşiktaş ein Verlust von -37,1 Mio. Lira. Durch den Absturz der Lira dürften die Zinsaufwendungen bei allen Klubs seit dem Stichtag 31. Mai um rund 20 Prozent gewachsen sein. Die nächste Herausforderung wartet also schon auf den Besiktas-Boss!

Galatasaray: Nur das Tafelsilber hilft

500 Mio. Lira – auf diese Summe wartet derzeit die Hausbank von Galatasaray. Das ist die erste Rate aus dem Grundstücksverkauf des amtierenden Meisters. Das Geld hat der Klub bitter nötig, denn die Löwen fuhren im Geschäftsjahr 2017/18 einen Nettoverlust von 274,5 Mio. Lira ein. Knapp 160 Mio. Lira gingen allein für die Zinszahlungen drauf. Der beliebte Vizepräsident Abdurrahim Albayrak zeterte bereits gegen die aktuelle Situation. Den finanziellen Freiraum durch den Grundstücksverkauf frisst gerade die Lira auf. Albayraks Aussagen wurden in der englischen "The Sun" heute so wiedergegeben: "Wegen Trump können wir keine Spieler kaufen!" Ganz so eng ist dieser Zusammenhang zwar nicht. Aber die schwache Lira gibt Albayrak offenbar zu denken. Lässt man die Zinszahlungen weg, hat Galatasaray große Fortschritte gemacht, denn der operative Verlust wurde in der vergangenen Saison auf knapp -120 Mio. Lira reduziert. Nun winken auch noch die Einnahmen aus der Champions League. Und nicht nur wegen der schwachen Lira wird kommende Woche so mancher Fan der Gelb-Roten Benfica die Daumen drücken. Verpasst Fenerbahçe nämlich die Qualifikation für die Königsklasse, muss Galatasaray den europäischen Geldtopf nicht mit dem Erzfeind teilen. Rund 17 Mio. Euro mehr oder weniger sind ein großer Unterschied in der heutigen Zeit. Jede Wette: Wenn Fenerbahçe die Gruppenphase verpasst, wird Albayrak noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Besser wäre es aber, das Geld zusammenzuhalten und den jungen Spielern, die mit ins Trainingslager durften, nun eine echte Chance zu geben!

Ali Koç, Barack Obama und die Zombie-Banken

Bei Fenerbahçe konnte man fast euphorisch werden. Der Klub wirkt nun auch auf Außenstehende viel sympathischer. Ali Koç verleiht den Kanarienvögeln ein freundliches, unverfälschtes Gesicht, wie auch der Autor (kein Fenerist!) dieser Zeilen in einem kleinen Essay zum Besten gab. Zu diesen Worten kann man stehen. Doch nur drei Tage später trat Ali Koç vor die Presse. Aus der Ära seines Vorgängers Aziz Yıldırım hatten sich noch Verbindlichkeiten von 15,2 Mio. Euro angehäuft. Das ist auch für den erfolgsverwöhnten Präsidenten kein Zuckerschlecken. Er hat die Schulden bei Spielern und anderen Vereinen selbst beglichen. Gleichzeitig aber gab Koç bekannt, dass die Schuldenlast des Klubs viel höher ist als angenommen. Sie beträgt 621 Millionen Euro! Offenbar hatte Yıldırım nicht immer die Wahrheit gesagt. Denn noch vor wenigen Jahren war Fenerbahçe der einzige Klub der Top 4, der eine vernünftige Bilanz aufwies. Nun hat man ligaweit den mit Abstand höchsten Schuldenberg und eine kaputte Bilanz. Insofern werden nun kleinere Brötchen gebacken. Und selbst die Teilnahme an der Champions League garantiert nicht, dass man im kommenden Jahr im Rahmen des Financial Fairplay von der UEFA nicht bestraft wird. Koç dürfte sich wie Barack Obama 2008 fühlen. Euphorisch stürmte er ins Amt, doch dann musste der erste schwarze Präsident Amerikas feststellen, dass es seine Hauptaufgabe war, Zombie-Banken und überschuldete Autokonzerne vor dem Kollaps zu bewahren. Die Finanzkrise ließ keine Zeit und kein Geld für Visionen und Reformen. Ali Koç steht nun vor der gleichen Aufgabe: Eine katastrophale Finanzsituation irgendwie in den Griff bekommen und dennoch den Schwung des Wahlsiegs bewahren. Immerhin spielen die Fans bisher mit: Der Klub markierte in Sachen Dauerkarten und Trikotsverkäufe neue Rekorde!

Trabzonspor: Wann wird der Stecker gezogen?

Last but not least ist Trabzonspor das heißeste Thema in Sachen Geld. Finanziell gesehen steht der Klub gefühlt schon seit Jahren am Abgrund. Man weiß gar nicht, wer dort die Gehälter bezahlt, denn die Kasse ist so leer wie die Wüste Gobi! Gleichzeitig drücken die Schulden auf der Ausgabenseite. Erst vor ein paar Tagen hatte man es geschafft, ausstehende Gehälter von Ersun Yanal, Özer Hurmaci und Aykut Demir endlich zu begleichen. Dabei haben diese Leute schon lange nichts mehr mit dem Schwarzmeerklub zu tun! Das Hauptproblem scheint zu sein, dass man sich immer noch so verhält, als würde man regelmäßig in der Champions oder Europa League spielen und um die Meisterschaft kämpfen. Die Wahrheit ist aber, dass der sportliche Erfolg derzeit nur dem Wunschdenken der Funktionäre entspringt. Im April erst hatte der Schuldenstand die Marke von 1 Milliarde Lira überschritten. Der Verlust im abgelaufenen Geschäftsjahr lag mit -292,4 Millionen Lira über den gesamten Einnahmen von 179,5 Millionen Lira (siehe Tabelle oben). Man leistet sich einen Kader, der viel zu teuer ist. Wer weiß, ob nicht bald ein Investor bei Trabzonspor die Marschroute vorgibt. Andernfalls dürften die Lichter nicht nur temporär wie jüngst, als man die Stromrechnung nicht beglichen hatte, sondern dauerhaft ausgehen. Sieben Jahre nach dem grandiosen Sieg bei Inter Mailand in der Königsklasse und einem Mini-Gewinn in der Bilanz steht Trabzonspor so nah am Abgrund wie nie zuvor. Dafür reichten drei völlig überforderte und teilweise größenwahnsinnige Präsidenten.

 

Quellen: Klubangaben/privat; Finanzcharts via Ismail Savan (Twitter: @is_xs)

 

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