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Mittwoch, der 07. Juni 2017

Warum die Türkei ihre erste WM verpasste

1954 nahm die Türkei erstmals an einer Fußball-WM teil. Doch eigentlich hätte die Premiere vier Jahre zuvor stattfinden sollen. GazeteFutbol blickt zurück auf die erste Weltmeisterschaft, für die sich die Türkei sportlich qualifiziert hatte.

Von Tarik DEDE

1950 fand zum zweiten Mal eine Fußball-Weltmeisterschaft in Südamerika statt. Brasilien war der Gastgeber und verlor später das legendäre Finale gegen Uruguay im Maracana. Doch es gab damals tatsächlich Mannschaften, die trotz Qualifikation nicht am Turnier teilnahmen. Schottland sagte als Gruppenzweiter in der Qualifikation hinter England ab. Indien wiederum sollte als asiatischer Vertreter unbedingt teilnehmen. So wollte es jedenfalls die FIFA, um den Fußball auch auf dem Subkontinent bekannter zu machen. Der Legende nach sollen die Inder eine Teilnahme wegen der kurz zuvor eingeführten Schuhpflicht abgelehnt haben. Doch das stimmt nicht, wie 2010 eine Recherche von Sports Illustrated ergab. Vielmehr wollte sich das erst zwei Jahre zuvor unabhängig gewordene Land lieber auf die Olympischen Spiele in Helsinki 1952 konzentrieren. Fußball war einfach kein beliebter Sport in Indien. Dabei hatte die FIFA dem Verband sogar angeboten, die Reisekosten für die Mannschaft zu übernehmen.

Elf Jahre kein Länderspiel

Ganz anders war die Situation in der Türkei. Die Republik war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs neutral geblieben, allerdings gab es keine Gegner, mit denen man Länderspiele austragen konnte. Die meisten Staaten der Welt führten gerade Krieg. So datiert das letzte Match vor dem Krieg auf den August 1937. Da verlor man in Jugoslawien mit 3:1, den türkischen Treffer markierte Rasih Minkari. Minkari war damals Angreifer beim Klub Güneş in Istanbul und sollte während des Krieges in das von den Nazis besetzten Straßburg wechseln. Der spätere Sportfunktionär war damit einer der ersten türkischen Legionäre. Nach dem Jugoslawien-Match gab es jedenfalls geschlagene elf Jahre keine Länderspiele mehr. Die Milli Takım eröffnete die Nachkriegszeit dann mit einem 2:1-Sieg im Panathinaikos-Stadion von Athen im Jahr 1948. Im folgenden Sommer stand dann Olympia in London auf dem Programm. Man schied mit einem 1:3 gegen Jugoslawien aus, hatte zuvor aber mit eine klaren 4:0 gegen die Volksrepublik China den ersten olympischen Fußballsieg eingefahren. Immerhin!

Souveräne Qualifikation

Im Sommer 1949 bot sich dann die Chance, erstmals zu einer Weltmeisterschaft zu fahren. Zuvor hatte man sich bei den Mittelmeerspielen mit zwei Siegen in drei Spielen – man musste sich lediglich Weltmeister Italien geschlagen geben -  ordentlich präsentiert. Zur Qualifikation für das Turnier in Brasilien reichte der Türkei damals ein Erfolg im direkten Duell mit dem Nachbarland Syrien. Die Gastgeber im Stadion des 19. Mai von Ankara waren der klare Favorit. Die Syrer hatten zuvor eine 0:8-Klatsche gegen Griechenland kassiert. Und auch gegen die Türkei lief es nicht viel besser. Schon zur Halbzeit führte die Milli Takım mit 3:0. Am Ende stand ein 7:0 auf dem Spielberichtsbogen. Die Türkei war unter anderem dank dreier Treffer von Fahrettin Cansever von Beşiktaş erstmals für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Gelost wurde die Truppe dann in eine Gruppe mit Bolivien, Uruguay und Schottland.

Kein Geld, keine WM!

Die Vorfreude bei den Spielern löste sich aber dann vor der Endrunde in Ernüchterung auf. Der Verband hatte kein Geld, um die Reise nach Südamerika zu finanzieren. Und auch der Staat sprang nicht ein. Die Kassen in Ankara waren nach dem Zweiten Weltkrieg leer. Wichtige Handelspartner waren ausgefallen und auch der Aufbau der eigenen Industrie stockte. Hinzu kam, dass man inzwischen nicht mehr neutral war, sondern sich den USA angeschlossen hatte. Im Juni 1950 brach der Korea-Krieg aus, an dem die Türkei im Rahmen des UNO-Kontingents teilnahm. Kurz gesagt: Man war innen- wie außenpolitisch mit anderen Themen beschäftigt. Für den Fußball blieb damals keine Zeit und kein Geld. Da konnte auch das Sportministerium, dass seit 1938 kraft Gesetzes auch für den Fußball zuständig war, nicht in die Bresche springen. Und so sagte der TFF, dessen Reisekosten nicht wie im Falle Indiens von der FIFA übernommen worden wären, die Teilnahme am Turnier in Brasilien ab.

Brasilien ärgert sich

Für die Weltmeisterschaft hatte das weitreichende Konsequenzen. Der spätere Sieger Uruguay musste durch die Absage von Schottland und der Türkei nur ein statt drei Gruppenspiele absolvieren. Als man später dann den Titel gegen Brasilien gewann, hatten die „Urus“ lediglich vier Partien in den Knochen, die Mannschaft des Gastgebers dagegen sechs. Die Brasilianer sollten sich nach dem letzten Spiel, das jedoch kein Finale im heutigen Sinne war, bitterlich über diesen Umstand beklagen. Wer weiß, ob der heutige Rekordweltmeister nicht als Gewinner aus dem Turnier hervorgegangen wäre, wenn Schotten und Türken wie geplant teilgenommen hätten.Die türkischen Fußballer mussten sich somit noch bis zur WM 1954 gedulden. Die Qualifikation für die Endrunde in der Schweiz sollte aber weitaus schwieriger werden.

 

Hinweis: Dieser Artikel ist ein gekürzter Auszug aus dem Buch "111 Gründe, die Milli Takım zu lieben" von Tarık Dede. Es ist im April 2017 im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen und beschäftigt sich mit der Geschichte der türkischen Fußballnationalelf. Es beginnt mit den Anfängen des Fußballs im Osmanischen Reich und reicht über alle Höhen und Tiefen bis in die Zukunft: Wann wird das Potenzial der vielen türkischen Talente ausgeschöpft? Das Buch ist überall im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3862656523), u.a. bei Amazon oder Osiander.


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