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Sonntag, der 03. Juni 2018

Erdal Keser: "Verband braucht neuen Vorstand!"

Im Exklusiv-Interview mit GazeteFutbol spricht der Ex-Profi über Mängel im türkischen Jugendbereich, über den Grund seiner Entlassung beim TFF und über die türkischen Chancen auf die EM 2024.

Von Metin GÜLMEN

Erdal Keser spielte von 1980 bis 1994 u.a. für Borussia Dortmund und Galatasaray (66 Tore), bestritt als Offensivspieler 25 Länderspiele für die Türkei (zwei Tore) und war von 2007 bis 2009 Co-Trainer bei den "Löwen" unter Eric Gerets. Auch für den türkischen Fußballverband war er tätig, zunächst als Scout (2001 bis 2006), ab 2002 auch als Sportdirektor. Zuletzt war er Trainer und Sportdirektor beim Schweizer Klub FC Wil 1900, ist Mitorganisator für das "Legendenspiel" zwischen der Türkei und Deutschland am Sonntagabend in Wiesbaden (hier gibt es noch Karten, auch an der Abendkasse sind noch Tickets zu haben). Im Exklusiv-Interview mit GazeteFutbol spricht der Ex-Profi über Mängel im türkischen Jugendbereich, über den Grund seiner Entlassung beim TFF und über die türkischen Chancen auf die EM 2024.

GazeteFutbol: Erdal Keser, Sie waren jahrelang bei Galatasaray, beim TFF und in der Schweiz tätig. Wo liegen die größten Probleme in der türkischen Talenteförderung?

Erdal Keser (56): "Es rücken generell zu wenige Talente in die A-Mannschaften hoch. Die Türkei hat viele hochtalentierte Jungs, die aber leider in ihrer Entwicklung auf der Strecke bleiben. Im türkischen Profifußball fehlen Organisation und langfristiges Denken. Ständig werden Vorstände und Trainer ausgetauscht - das führt natürlich dazu, dass nicht langfristig geplant wird. So fehlt jede Kontinuität."

Warum bringen die türkischen Spitzenklubs trotz vorhandener Infrastruktur so wenige eigene Spieler heraus?

Keser: "Es gibt zwar einige Gegenbeispiele. Allerdings trifft das Kontinuitätsproblem auch auf die Spitzenklubs zu. Der eine Klub wechselt jährlich den Vorstand, der andere jährlich den Trainer. So kann man natürlich keine langfristige Arbeit planen, schon gar nicht im Jugendbereich. Es reicht nicht, nur in den Tag reinzuleben und zu gucken, wie es läuft."

Was kann man konkret vom Schweizer Scouting-System lernen?

Keser: "Nicht nur von der Schweiz - auch von vielen anderen Verbänden muss man lernen. Einheitliche Spielsysteme, Kontinuität auf Schlüsselpositionen, zentrale Leistungszentren für nationale Talente. Die Türkei hat viel Nachholbedarf."

Die türkische Süper Lig und die Schweizer Super League liegen in der Fünf-Jahreswertung nah beieinander. Wo liegen die Hauptunterschiede beider Ligen? Wer ist näher an den europäischen Spitzenligen dran?

Keser: "In dieser Saison hat Besiktas in der UEFA Champions League bis zu den Spielen gegen den FC Bayern hervorragend gespielt. Ich führe die starke Gruppenphase auf Kontinuität zurück, die Mannschaft und der Verein haben sich entwickelt, sammelte schon letzte Saison viel Erfahrung im Europapokal (Besiktas schied im UEFA Europa League-Viertelfinale gegen Olympique Lyon erst im Elfmeterschießen aus; Anm. d. Red.). Allerdings darf das keine Eintagsfliege sein. Wenn wieder Schlüsselpositionen ausgewechselt werden, fängt man von vorne an. Ein typisch türkisches Phänomen. Das muss man verhindern."

Ist ein internationaler Erfolg für einen türkischen Klub überhaupt noch realistisch?

Keser: "Natürlich sind die Topligen finanziell besser aufgestellt. Aber auch die türkischen Spitzenklubs haben große Budgets. Zumindest muss das für die Qualifikation reichen. Es kann nicht sein, dass die türkischen Vorzeigeklubs gegen unbekannte Vereine aus Nord- oder Osteuropa ausscheidet. Medipol Basaksehir macht es ja in der Liga vor. Vorstand und Trainer arbeiten langfristig, die Mannschaft wird punktuell verstärkt, sammelt Erfahrung und spielt inzwischen seit mehreren Jahren oben mit. In diesem Punkt dient Basaksehir als Vorbild. Vielleicht erreicht irgendwann ein türkischer Klub wieder ein Halbfinale. Aber diesen Erfolg muss man verpacken und darf kein Zufall sein."

Sehen Sie im neuen TV-Rechteinhaber beIN Sports eine Chance für den türkischen Fußball, um die Süper Lig als Marke aufzuwerten?

Keser: "Je mehr Geld, umso bessere Spieler können sich die türkischen Klubs leisten, klar. Aber das nützt wenig, wenn nicht auch in die Strukturen und in die Jugendarbeit investiert wird."

Sie waren selbst beim TFF für Nachwuchsprojete zuständig, konnten selbst die Richtung bestimmen. Warum verlässt sich der Verband heute immer noch nur auf das Abwerben von in Europa ausgebildeten Talenten?

Keser: "Natürlich hatten wir mehrere tolle Projekte, die heute sicherlich Früchte getragen hätten. Aber der TFF-Vorstand wechselte und damit auch gleich die ganze Mannschaft bis hinunter zum letzten Angestellten. Wie will man mit dieser Mentalität langfristig was erreichen? Ich sehe nur Hoffnung auf Besserung, wenn an der Spitze kompetente und professionelle Leute das Sagen haben. Ohne Namen zu nennen: Der Fisch stinkt vom Kopf her, auch beim TFF."

Das UEFA Champions League-Finale 2020 findet nach 2005 wieder in Istanbul statt. Wie schätzen Sie die Bewerbung für die UEFA EURO 2024 ein? Was hat die Türkei Deutschland voraus?

Keser: "Ganz ehrlich: Gerade, dass Deutschland der türkische Konkurrent um die EM ist, macht mir Hoffnung. Der DFB ist noch immer damit beschäftigt, die Scherben der WM 2006 zu kehren. Die Türkei dagegen hat eine tolle Bewerbung abgegeben und hat den Vorteil, dass dort noch nie ein Großturnier stattfand. Ich bin optimistisch - auch wenn die UEFA zugegeben eine manchmal merkwürdige Politik betreibt. Das hat nicht mal was mit der großen Politik zu tun. Ich nenne nur das Stichwort Financial Fair Play, wo kleine Vereine gesperrt werden und große Klubs Narrenfreiheit haben."

Sehen Sie Ihre berufliche Karriere weiter in Europa oder zieht es Sie wieder in die Türkei?

Keser: "Ich schaue mir die fußballerischen Entwicklungen in der Türkei erstmal aus der Ferne an. Ich bin aber immer bereit, für den türkischen Fußball zu arbeiten und meine Erfahrungen weiterzugeben. Aber dazu muss erstmal ein neues Präsidium beim TFF arbeiten, das sage ich ganz offen."

Wir haben viel über Talente gesprochen. Wer ist denn eigentlich Ihrer Meinung nach das größte türkische Talent?

Keser: "Cengiz Ünder hat die richtige Entscheidung getroffen, so früh ins Ausland zu gehen. Er hat sich als Fußballer und als Mensch weiterentwickelt. Aber auch Hakan Calhanoglu sehe ich beim AC Mailand auf dem richtigen Weg. Diese beiden Spieler haben das Zeug dazu, Weltklassespieler zu werden."

Und zum Abschluss die obligatorische Frage vor der WM: Wer ist ihr Topfavorit in Russland?

Keser: "Frankreich. Der Verband leistet eine überragende Jugendarbeit, die Mannschaft hat sich im Vergleich zur EM 2016 nochmal weiterentwickelt. Belgien zähle ich ebenfalls zu den Mannschaften, die für eine Überraschung sorgen können. Deutschland ist auch nicht schlecht, allerdings halte ich Deutschland für schwächer als noch bei der WM 2014."


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