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Dienstag, der 18. Juli 2017

Senol Günes: Einst eine Legende und jetzt...?

Es ist schwierig sich einen Legendenstatus zu erarbeiten, aber einfach diesen ein Leben lang beizubehalten. Spätestens nach seinen jüngsten Aussagen als Trainer von Besiktas hat es Senol Günes geschafft, dass sein Legendenstatus bei Trabzonspor zumindest umstritten ist.  

Von Mikail UZUN

Bereits als Spieler war Senol Günes lange Jahre bei Trabzonspor und gehörte zur goldenen Generation um Cemil Usta (auch Dozer Cemil genannt), Necati Özcaglayan, Turgay Semercioglu oder auch Tuncay Soyak. Sie führten die 1967 gegründete Mannschaft in die erste Liga und dominierten sie zwischen 1975-1984 mit sechs Meisterschaftstiteln. Nach seiner Karriere erhielt Günes eine neue Chance und durfte als Trainer bei Trabzonspor arbeiten. Das gleich vier Mal innerhalb von 22 Jahren und immer stets erfolgreich. Auch wenn er offiziell keine Meisterschaft gewinnen konnte, wird über den Titel aus der Saison 2010/11 die FIFA das letzte Urteil verkünden. Doch das Meisterschaftsrennen in der Saison 1995/1996 war mindestens genau so tragisch, als Trabzonspor bis zum 31. Spieltag mit 76 Punkten vor Fenerbahce die Tabelle anführte, am 32. Spieltag jedoch zu Hause das Spiel gegen die Gelb-Marineblauen mit 1:2 aus der Hand gab. Am Ende gewannen die Istanbuler die Meisterschaft mit zwei Punkten Vorsprung. Mehmet Dalman und Hüsnü Civelek, zwei Fans, denen auch der Verein jedes Jahr gedenkt, nahmen sich am 05. Mai 1996 das Leben. Die ganze Stadt war aufgrund dieser Vorfälle und der verlorenen Meisterschaft erschüttert und wie Shota Arveladze in einem Interview beschrieb "tot".

Doch das sollte nicht der letzte Schock sein. Unmittelbar nach dieser tragischen Saison setzte sich Senol Günes mit dem damaligen Fenerbahce-Präsidenten Ali Sen an den Verhandlungstisch. Letzterer bestätigte, dass der Wechsel nur nicht zustande kam, weil Ridvan Dilmen als Sportlicher Leiter geplant war und Günes als Trainer nicht unter Dilmen arbeiten wollte. Auf der einen Seite nahmen sich Fans das Leben, die Stadt trauerte der verlorenen Meisterschaft nach, aber der ehemalige Kapitän und die Legende Senol Günes saß mit dem Erzrivalen am Verhandlungstisch und wäre beinahe bei Fenerbahce gelandet. Trotz allem wurde ihm diese Aktion verziehen und er durfte sich in Trabzon einer großen Beliebtheit erfreuen.

Die vierte Amtszeit von Günes wird vom Manipulationsskandal überschattet

In der Saison 2009/10 übernahm er das Amt ein viertes Mal und führte die von Hugo Broos hinterlassene Mannschaft zum Pokalsieg. Die Saison 2010/11 begann mit dem Supercup-Sieg gegen Bursaspor (3:0) und einem guten Start in die neue Spielzeit. Nach sechs Jahren konnte Trabzonspor wieder neue Pokale im Vereinsmuseum präsentieren und das gleich zwei Mal innerhalb von wenigen Monaten. Die ohnehin große Beliebtheit von Senol Günes nahm einen immensen Anstieg. Seine Worte waren oft in den sozialen Medien vorzufinden. Während einer Trikotvorstellung gab er zu: "Grundsätzlich gefallen mir alle Farben, doch die Mischung aus Bordeaux und Blau ist die Schönste." Bis auf wenige Fans, die ihm die Aktion von 1996 immer noch nicht verziehen hatten, genoss er vollste Rückendeckung.

Wie bereits zwei Mal zuvor, verlor er auch in dieser Spielzeit die Meisterschaft auf eine höchst tragische Art und Weise an Fenerbahce. Doch dieses mal nahm es einen differenzierten Ablauf im Vergleich zu den besagten Spielzeiten. Die Staatsanwaltschaft leitete unter anderem Ermittlungen gegen Fenerbahce und Besiktas wegen Spielmanipulationen ein und das ganze Land war geschockt. Im Laufe der Zeit sprach Senol Günes auf diversen Plattformen über die Saison 2010/11 und kritisierte den türkischen Fußballverband in Verbindung mit der Politik aufs Schärfste, da sie den Istanbulern den Meisterschaftspokal nicht aberkennen wollten. In den darauffolgenden Jahren rückte der Streit um den Manipulationsskandal in den Hintergrund, da er auf rechtlichem Wege von den Vereinen geführt wurde. Derweil liefen die Dinge für Senol Günes bei Trabzonspor nicht mehr wie gewünscht. Er trat nach der Niederlage gegen Elazigspor (1:3) im Januar 2013 zurück. Auch hatte er sich mit dem Vereinspräsidenten Sadri Sener zerstritten. Dieser hatte sich durch eine im Interview getätigte Aussage in Trabzon unbeliebt gemacht: "Mit ihm zu arbeiten ist sehr schwierig. Senol Günes denkt zu erst an das Geld und dann an die Arbeit. Er sagte, dass wir Spieler verpflichten, ohne seine Meinung dabei zu berücksichtigen. Falls das der Fall war, warum ist er dann nicht zurückgetreten? Wegen dem Geld natürlich." Viele Fans kritisierten ihn aufgrund dieser Aussagen. Es kam sogar so weit, dass er nach dem Auswärtsspiel gegen Akhisar Belediyespor in einem Restaurant attackiert wurde. Daraufhin setzte er für den Mai 2013 Neuwahlen an und verkündete, dass er nicht kandidieren werde.

Senol Günes versucht sein Glück außerhalb von Trabzon

Nach gut einem Jahr Pause heuerte der ehemalige türkische Nationaltrainer bei Bursaspor an, wo er ebenfalls sehr geschätzt wurde und gute Arbeit leistete. Doch nach nur einer Saison wechselte er zu deren Erzrivalen Besiktas. Deren Fans werden diese Zeilen jetzt mit Empörung aufnehmen, jedoch waren auch die "Adler" in den Manipulationsskandal verwickelt und wurden dafür sogar von der UEFA für ein Jahr von den internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Senol Günes, der sich seit 2011 gegen den Verband und die Politik ausspricht, weil sie keine Strafen festgesetzt hatten, wechselte nun zu einem Verein, der aufgrund dieser Sache von der UEFA bestraft wurde. Kurz nach seiner Vertragsunterzeichnung erwiderte er diese Kritik mit den Worten: "Wenn ich daran geglaubt hätte, dass Besiktas Spiele manipuliert hat, dann wäre ich nicht hierher gekommen." Als er Fenerbahce mit Spielmanipulationen beschuldigte, hatte er sich auf die vorliegenden Sprachaufzeichnungen der betroffenen Personen und die Fotos berufen. Diese lagen aber auch zu Serdar Adali vor, der in der besagten Spielzeit zum Vorstand von Besiktas gehörte. Das wurde vom  65-Jährigen nun jedoch ignoriert.

Im Rahmen der öffentlichen Präsentation kam mit der folgenden Aussage bereits der erste Schock für viele Trabzonspor-Fans, die ihre Mannschaft als Meister der Saison 2010/11 sehen: "In meiner aktiven Trainerkarriere habe ich noch keine Meisterschaft erlebt. Ich bin hier, um den Titel zu gewinnen." Allerdings hatte er nicht ganz unrecht. Denn erlebt hatte Günes die Meisterschaft mit Trabzonspor tatsächlich nicht. Dennoch waren viele Fans von ihm enttäuscht. Er hatte jedoch sein Ziel erreicht und gewann mit Besiktas in seinem ersten Jahr die Meisterschaft. Der erfahrene Trainer war erfreut und erklärte: "Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich meine erste Meisterschaft gewonnen habe", war von seinem neuen Verein so angetan und ergänzte "Besiktas ist der größte Verein in der Türkei."

Natürlich ist seine Freude verständlich und auch viele Trabzonspor-Fans und Verantwortliche gratulierten ihm zu diesem Erfolg. Jedoch war er mit seinen Aussagen auf bestem Wege, seinem hart erarbeiteten Legendenstatus bei Trabzonspor zu schaden. Schließlich ist Senol Günes seit über 40 Jahren im türkischen Fußball präsent und genießt große Anerkennung. Von einem Mann seiner Reife hätten jedoch weniger fanatische Worte kommen müssen. Selbst ein in Trabzon unbeliebter Aykut Kocaman war sich immer seinem Status bei Fenerbahce bewusst und hat sich auch während seiner Zeit bei anderen Mannschaften fanatische Aussagen bezüglich seiner Arbeitgeber gespart. Zwar hat er noch eine lange Trainerkarriere vor sich und wir wissen nicht was die Zukunft bringt, jedoch hatte auch er die Möglichkeit andere große Mannschaften in der Türkei zu trainieren. Doch er wechselte erneut zu Fenerbahce. Nach den letzten Aussagen hatte Senol Günes viel an Beliebtheit in Trabzon verloren. Mehr und mehr Fans kehrten ihm den Rücken zu und waren von ihm enttäuscht. Im Rahmen der Präsentation der Trikots für die aktuelle Saison machte der 65-Jährige publik, dass sich seine Lieblingsfarben geändert haben: "Ich finde grundsätzlich alle Farben schön, doch die Mischung aus Schwarz und Weiß ist die Schönste." Die meisten werden sich noch an diesen Satz erinnern. Spätestens mit dieser Aussage hat er seine letzten Unterstützer in Trabzon enttäuscht. Dadurch macht er sich eher zum Clown als beliebt.

Wie bereits erwähnt, hat ein Senol Günes so etwas nicht nötig. Am Ende seiner Trainerkarriere, die sich aufgrund seines Alters dem Ende neigt, wird er nicht mit seinen zwei Meistertiteln in Istanbul in Erinnerung bleiben, sondern mit seiner Zeit als Spieler und Symbolfigur in Trabzon. Er liefert seit seinem Amtsantritt bei Besiktas das Paradebeispiel dafür, wie man seinem Legendenstatus enormen Schaden hinzufügen kann. In Trabzon jedenfalls genießt er nicht mehr die große Beliebtheit, über die er sich vor wenigen Jahren noch erfreuen durfte. Darüber, dass der Sportkomplex in Akyazi nach seinem Namen benannt wurde, waren viele nicht glücklich. Sadri Sener sagte seine Teilnahme sogar ab. Über die Aussagen des Ex-Vereinspräsidenten bezüglich Senol Günes, mit denen er viel Kritik geerntet hatte, haben die meisten mittlerweile ebenfalls ihre Meinung geändert.


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